Zwei Herzen unter dem Mistelzweig

Erscheinungstermin: 15. Januar 2026


Ostseeherzen

Kurze Wohlfühlromane an der Ostsee

~Liebe, Humor & Ostseefeeling in Eckernförde~

Weihnachten ist längst vorbei. Das denkt auch Thea, als sie Anfang Januar im Buchcafé von Eckernförde ihren ersten Arbeitstag antritt. Neben der Kasse hängt noch der Mistelzweig, in den Schaufenstern tummeln sich die Wichtelfiguren. Doch davon lässt sie sich nicht aufhalten. Ebenso wenig wie von Jonas, der mit seiner Schwester das Buchcafé betreibt. Als stadtbekannter Griesgram erschwert er ihre Zusammenarbeit. Aber Thea hat einen schnarchenden Ex-Partner überlebt und bändigt täglich drei Kinder sowie eine überfürsorgliche Mutter. Den neuen Gegenwind bewältigt sie mit links. Wäre da nicht ihr Herz, das macht, was es will und sich in einen Mann verliebt, der gegensätzlicher nicht sein könnte.

Komm mit nach Eckernförde und verliebe dich!


 

Meine Hände liegen an seiner Strickjacke, unter der ich einen überraschend kräftigen Oberkörper spüre. Er scheint mir wie ein Dampfer, den die stärkste Bö nicht zum Wanken bringt.

»Nicht so stürmisch, Frau Clausen.« Sein warmer Unterton entlockt mir ein Lächeln. Diese Tonlage gefällt mir um Längen besser als das Knurren, das er sonst unter seine Silben legt.


Leseprobe

Thea

 

Der köstliche Duft nach gerösteten Kaffeebohnen umgarnt mich. Dazu das verführerische Aroma von Zucker, Butter und Mehl, je mehr Kuchen, Muffins und Törtchen Maike aus der Küche in die Auslage des Buchcafés am Tresen stellt.

Meine Konzentration liegt jedoch bei den Geschwistern im Nebenraum.

»Nein!« Herr Rogges harsche Stimme zerschneidet die Gemütlichkeit im Buchcafé. Kopfschüttelnd steht er an der Kasse der Buchhandlung und zeigt in meine Richtung. »Vergiss es, Fiona.«

»Wieso nicht?« Seine Schwester folgt dem Wink durch den mit Stuck verzierten Rundbogen in ihr Café, dreht sich dann aber rasch wieder zu ihm um. »Thea ist perfekt. Und nimm die Hand runter. Das ist unhöflich.«

Herr Rogge folgt Fionas Anweisung, sein Gesicht spricht allerdings davon, dass er mir gern die Tür vor der Nase zuschlagen möchte. Eine schwarze Schiebermütze ziert seinen Kopf und verdeckt einen Teil seiner kurz gehaltenen hellbraunen Haare. In seinem Blick lodert derart viel Missfallen, dass ich mich frage, ob ich die richtige Entscheidung gefällt habe.

»Ich sagte: Nein! Das ist mein letztes Wort!«

Mein Herz schlägt in doppelter Geschwindigkeit. Ich klammere mich an meiner Überzeugung fest, dass dieser neue Job das Allerbeste seit Langem ist.

Auf wackeligen Beinen lehne ich im weißen Rundbogen, der das Café und die Buchhandlung der Geschwister Rogge verbindet. Bloß wenige Meter von den Streithähnen entfernt.

Meine selbstbewusste Fassade bröckelt von Sekunde zu Sekunde.

Draußen auf der Promenade pfeift der Wind und drückt die Schneeflocken gegen die Schaufenster. Seit heute Morgen schneit es wieder. Pünktlich zum Jahresanfang. Ich darf nicht vergessen, im Sozialkaufhaus nach einem Schlitten zu gucken. Vielleicht habe ich Glück und kann meine Schätze damit überraschen.

Fiona trägt ein körperbetontes graues Wollkleid mit hohem Kragen, das unglaublich weich aussieht. Ihr fällt eine hellbraune Strähne aus dem hochgezwirbelten Dutt. Ich kenne sie schon eine Weile und habe mich immer gefragt, wie sie es schafft, ihre Haare so kunstvoll zusammenzustecken. Ihr Alltag ist sicher nicht weniger intensiv als meiner.

Meine neue Chefin schenkt mir ein schwaches, aber aufmunterndes Lächeln. »Hol dir bitte einen Kaffee, Thea. Die schwarze Kanne ist fertig. Mein Bruder und ich, wir müssen noch etwas besprechen.«

Zögerlich nicke ich. Am liebsten möchte ich sie fragen, warum sie mich eingestellt hat, wenn sie ihn vorher nicht eingeweiht hat. Ich brauche diesen Job und möchte keinen schlechten Eindruck erwecken. Es gibt kaum Alternativen, die nicht mit den Abholzeiten der Schule meiner Kinder kollidieren.

Zwei Schritte trete ich in den Cafébereich zu Bücherregalen und runden Tischen zurück, gebe vor, ihrem Angebot zu folgen. Da ich jedoch weiß, dass sie über mich sprechen, husche ich zur Seite, als Fiona sich an ihren Bruder wendet. Hinter dem breiten Rundbogen verstecke ich mich und achte darauf, dass sie mich durch die angrenzende Scheibe nicht sehen.

»Jonas, bitte.«

»Fiona, hast du dir Frau Clausen angesehen? Hohe Absätze und der kürzeste Rock von ganz Eckernförde.«

Ich schaue an mir hinab. Zwei Minuten hat es mich gekostet, mein Standard-Outfit für den ersten Arbeitstag auszusuchen. Rote Stiefeletten, dicke schwarze Strumpfhose, roter Cordrock, dazu einen warmen dunklen Rollkragenpullover. Passend zur kalten Jahreszeit im Januar.

Mein Rock mag kurz und meine Absätze hoch sein, aber wenigstens passen meine Sachen farblich zusammen. Fionas Bruder trägt eine beige-braun-karierte Strickjacke mit Ellenbogenpatches, die aussieht, als hätte er sie seinem Großvater gestohlen. Sie verdeckt sogar seinen Hintern in der dunkelblauen Jeans.

»Was hast du gegen figurbetonte Kleidung? Thea sieht großartig aus. Schau eben nicht hin.«

»Sei nicht albern.«

»Mal im Ernst, Jonas.« Fiona redet leiser. »Sie braucht diesen Job dringend und wir suchen seit Monaten eine Aushilfe.«

»Wir brauchen niemanden.«

»Ach, komm. Du brauchst genauso jemanden wie ich. Wenn die Saison im Frühjahr startet, gehen wir im Touristentrubel unter. Seit Hanna mit ihrem Fernstudium fertig ist, fehlt uns eine Arbeitskraft. Und alle anderen hast du abgelehnt. Deshalb habe ich Thea eingestellt. Und sie bleibt.« 

»Nur über meine Leiche.«