Der kleine Weihnachtsmarkt auf Fehmarn erscheint am 01. November 2025.
Ein kurzer Wohlfühlroman in 24 Kapiteln.
Komm mit nach Fehmarn und verliebe dich!
Der kleine Weihnachtsmarkt auf dem Burger Marktplatz ist seit jeher eine Attraktion auf Fehmarn. Dieses Jahr steht die Stadtverwaltung jedoch Kopf, denn die Organisatorin ist verhindert und der Eröffnungstermin steht bevor. Als die Bürgermeisterin in ihrem Stab um Hilfe bittet, meldet Swantje sich, ohne zu wissen, worum es geht. Wenn es schon nicht mit dem Abnehmen funktioniert, will sie wenigstens beruflich vorankommen. Das ganze Chaos wegen der Organisation bringt sie allerdings zur Verzweiflung. Zum Glück bietet Leon seine Hilfe an. Der Bauleiter, für den Swantje seit Schulzeiten schwärmt, hilft ihr aber nur, wenn sie ihm einen großen Gefallen erweist, der ihr Herz gewaltig höher schlagen lässt.
Swantje
Ich liebe Weihnachten. Ich liebe alles an den schönsten Feiertagen des Jahres. An erster Stelle steht das Kaufen der Geschenke für meine Mutter, meine Lieblingskollegen und Schneeball. Ich stöbere bereits Anfang November, um definitiv das Richtige zu finden. Die Vorfreude auf ihre überraschten Gesichter, wenn sie ihr mit Liebe verpacktes Präsent öffnen, versüßt mir jedes Mal die Zeit, bis es in den Straßen nach Weihnachten riecht. Ja, riecht.
Der Duft von Weihnachten ist mit das Schönste an der Jahreszeit. Wenn eiskalte Luft mich umfängt und ich weiß, dass es gleich schneit. Oder sobald der Geruch nach Lebkuchen, Zimtsternen und Vanillekipferl mich wie eine kuschelige Wolldecke einhüllt. Sicher, der Stresspegel kann in den letzten Monaten in die Höhe steigen, aber ich lasse mir die Freude nicht nehmen. Stress hat im November und Dezember bei mir keine Chance!
Sobald es früher dunkel wird, erstrahlen die Lichterketten in der Burger Altstadt an jedem Geschäft und die Sternschnuppen an den Laternenmasten leuchten. Meine kleine Zweizimmerwohnung nahe dem Marktplatz habe ich zu der Zeit längst geschmückt. Erst wenn alles glitzert, funkelt und stimmungsvolle Musik aus den Boxen erklingt, komme ich richtig in Winterstimmung.
Ich liebe Weihnachten auch, da es mich an meinen Vater erinnert. Wie er früher mit mir auf dem zugefrorenen See Schlittschuh gefahren ist, wie wir zusammen den Weihnachtsbaum ausgesucht und meine Mutter mit selbst gebackenen Keksen überrascht haben, wenn sie von einer anstrengenden Schicht aus dem Supermarkt nach Hause kam.
Es war die einzige Zeit des Jahres, in der mein Vater nicht bloß physisch bei uns war, sondern mit allen Sinnen. Ein Schalter hatte sich dann in seinem Herzen umgelegt, seine anstrengende Arbeit als Arzt vor der Tür gelassen und ihn daran erinnert, wie wichtig es war, sich um seine Liebsten zu kümmern.
Die Weihnachtszeit erinnert mich auch an Leon. Leon von der See. Ein Sprössling der von der Sees, der wohlhabenden Familie, der halb Fehmarn gehört. Ferienwohnungen, Wohnhäuser, Geschäfte. Von der See – die einflussreichste Immobilienfirma Norddeutschlands.
Ich linse zu unserem Bauleiter. Leon sitzt mir schräg gegenüber. Konzentriert lauscht er der Bürgermeisterin Amalia Schiller. Seine walnussbraunen Haare hängen ihm leicht in die Stirn, gerade so lang, dass sie seine Augenbrauen nicht berühren. Sie sind ebenso perfekt geformt wie seine Nase, sein Kinn und seine Wangenknochen. Denn wenn Leon lächelt, strahlt sein ganzes Gesicht. Keine Zelle bleibt unberührt.
Ein rötlicher Schimmer durchzieht seinen kurz gehaltenen Bart, aber dieser ist viel heller als meine Haarfarbe. Wie jeder von der See besitzt er strahlend weiße Zähne und die Gewissheit im Blick, dass ihm alles gelingt, was er anpackt. Letzteres ist eine Tatsache, für die ich ihn seit der Schulzeit bewundere.
Leons Augen sind waldgrün. Ein sattes, tiefes Grün durchzogen mit goldenem Schimmer. Das weiß ich, weil er im letzten Schuljahr einen Tisch neben mir gesessen hat.
Ich zwinge mich, ihn nicht anzustarren. Manchmal erwische ich mich, wie ich mir vorstelle, wie anders mein Leben gewesen wäre, wäre ich nicht Swantje Kruskopp, deren dunkelrote Haarfarbe eher billigem Wein als einem feurigen Sonnenuntergang gleicht. Die seit der Pubertät mit viel Weiblichkeit auf den Hüften gesegnet ist und nicht aussieht wie ihre Kollegin und ehemals beste Freundin Laura Wagner. Allein der Klang ihres Namens strahlt mehr Eleganz aus, als ich mir für meinen je erträumen kann.
Laura sitzt neben Leon. Die hellblonden Haare reichen ihr bis zum Bauchnabel. Wellenartig umhüllen sie ihren Blazer. Manchmal kommt Laura mir wie eine Meerjungfrau aus einem zuckersüßen Märchen vor, das ich mir zu oft angesehen habe.
Sie ist eine von den Frauen bei uns in der Stadtverwaltung, denen freitags das erste Sektglas oder das letzte Kuchenstück angeboten wird. Lange Beine bis zum Himmel, kurzer, eng anliegender Rock trotz kalter Temperaturen und ein Zahnpastalächeln, das ihr schon oft ein Ticket wegen Falschparkens erspart hat.
Laura arbeitet in Leons Abteilung und hört der Bürgermeisterin genauso gespannt zu. Ab und zu streicht sie flüchtig über seine Schulter und flüstert ihm ins Ohr, weshalb er dann die Stirn runzelt. So wie jetzt.
Ich will den Blick von den beiden abwenden. In letzter Sekunde bemerke ich, dass Leon mich ansieht.
Unter dem Tisch verhake ich die Finger ineinander. Jedes Mal, wenn ich nervös bin, möchte ich mich an irgendetwas festhalten. Aber nicht dieses Mal, ich löse meine Hände voneinander. Für das Jahresende habe ich mir geschworen, mutiger zu sein und mich nicht in meinem Alltag zu verkriechen. Deshalb hebe ich den Kopf und prüfe, ob er mich weiterhin beobachtet.
Sein lächelnder Blick ruht auf mir wie eine herzliche Umarmung. Meine Nackenhaare stellen sich vor Vergnügen auf. Heute ist ein guter Tag. Nicht nur, da Montag ist und jede Woche eine neue Möglichkeit ist, in der man sein Leben umkrempeln kann, sondern weil mein Plan funktioniert.
Ich halte seinen Blick und er zwinkert. Leon von der See sieht mich. Meine Mundwinkel springen wie von selbst nach oben. Es stimmt, was man sagt: Wenn man sich der Welt öffnet, öffnet sie sich ebenfalls für einen.